Von alleine ändert sich nichts

Vorschaubild

10.09.2019 250 junge Menschen starten diese Woche in die Ausbildung und das duale Studium. Udo Roth erinnert sich zurück, als er selbst seine Ausbildung beim "Benz" begann.

Mit der Ausbildung beginnt der "Ernst des Lebens". Die Zahl der Neuanfänger*innen bezieht sich auf die Betriebe des Einzugsbereichs der IG Metall Gaggenau.

Inhaltsbild

Einer, der sich seit seinem Start ins Berufsleben um die Qualität von Berufsausbildung kümmert, ist Udo Roth, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Mercedes-Benz Gaggenau. Bevor er zum Betriebsrat kandierte, war er jahrelang Jugend- und Auszubildendenvertreter beim "Benz".
Gemeinsam mit Udo machen wir eine Zeitreise zu seinem Ausbildungsstart.

Udo, deine Ausbildungszeit ist ja schon eine Weile her. Aber manche Dinge vergisst man sicherlich nicht aus dieser prägenden Zeit. Kannst du uns sagen, warum du dich damals für eine Ausbildung beim Benz in Gaggenau entschieden hast?

Ich wollte mich zuerst eigentlich in eine ganz andere Richtung entwickeln. Ich wollte mit Menschen zu tun haben, ihnen helfen. Deshalb waren meine ersten Überlegungen eher, dass ich mich im medizinischen/pflegerischen Bereich bewerbe. Gleichzeitig fand ich Technik, was herzustellen, präzise zu arbeiten, faszinierend. Deshalb habe ich mich für den Beruf des Werkzeugmachers interessiert. Und das Benz hatte und hat in unserer Region natürlich einen Namen und eine lange Tradition.

Was hast du erwartet bzw. was hat dir besonders gut gefallen?

Meine Erwartungen wurden im Wesentlichen erfüllt. Ich erhoffte mir eine solide berufliche Grundlage durch eine interessante und qualifizierte Ausbildung zu erhalten. Wir haben damals im ersten Ausbildungsjahr jeder eine Dampfmaschine gebaut. Von Ausbildungseinheit zu Ausbildungseinheit hat man gesehen, wie das Projekt Form angenommen hat. Danach ging es schwerpunktmäßig in den Betrieb. Da kam dann das Gefühl "Jetzt gehört man dazu."!

Wenn du deine Ausbildung von damals mit der von heute vergleichst, was hat sich verbessert und woran muss noch gearbeitet werden?

Zu meiner Zeit waren die Ausbildungsvergütungen noch wesentlich geringer... da haben wir in den letzten Jahrzehnten doch schon Einiges auf die Reihe gebracht.
Die Berufsausbildung im Benz in Gaggenau galt damals als das Mekka der Berufsausbildung. Die Berufsausbildung und insbesondere die Herausforderungen daran haben sich in den letzten Jahren verändert.
Nachhaltigkeit, Transformation, Digitalisierung, Industrie 4.0.... werden das Arbeitsleben der Zukunft bestimmen. Die jungen Menschen müssen darauf vorbereitet werden.
Deshalb geht es letztendlich darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass eine qualifizierte Ausbildung stattfinden kann. Da gehts dann natürlich auch um die "Klassiker". Beispielsweise eine Erhöhung der Ausbilder*innen-Quote und modernste Lehr- und Lernmittel, die nicht zu Lasten der Auszubildenden und dual Studierenden gehen. Zusätzlich geht es auch darum, dass eine zahlenmäßig immer stärkere Gruppe - nämlich die dual Studierenden - auch endlich unter das "Dach" unseres Manteltarifvertrages Ausbildung kommen.

Eine Frage zum Abschluss: Was möchtest du den neuen Auszubildenden und dual Studierenden mit auf den Weg geben?

  1. Von alleine verändert sich nichts! Mischt Euch ein, macht mit!
  2. Neben dem Erlangen von fachlichen und methodischen Grundlagen für das spätere Berufsleben ist aus meiner Sicht die Berufsausbildung eine Persönlichkeitsentwicklung. Um es platt auszudrücken: vom "Stift" zu selbstbewussten Facharbeitern*innen, die gemeinsam mit uns die Arbeitswelt der Zukunft gestalten!

Udo, herzlichen Dank für das Interview!

Die IG Metall Gaggenau begrüßt alle neuen Auszubildenden und dual Studierenden!

Mit Fragen kannst DU an die JAV, an den Betriebsrat oder an unsere Jugendsekretärin Jana Störtzer - Mail: jana.stoertzer@igmetall.de wenden.

Letzte Änderung: 25.09.2019