Respekt vor so viel Einsatz!

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22.01.2019 Martin Kunzmann, Landesvorsitzender des DGB Baden-Württemberg, zeigte sich tief beeindruckt vom Einsatz und der Courage der Betriebsräte bei Pister Kugelhähne und HBPO Rastatt.

Ein Besuch, der als dickes Kompliment zu verstehen ist: Martin Kunzmann, früherer 1. Bevollmächtigter der IG Metall Pforzheim und seit zwei Jahren Vorsitzender des DGB Baden-Württemberg, wollte unbedingt die Betriebsräte von Pister Kugelhähne in Muggensturm kennenlernen. Und ihnen "seinen ganz persönlichen Respekt zollen", wie Kunzmann das bei einem Meeting in der Geschäftsstelle der IG Metall Gaggenau ausdrückte.

Anlass war der "Mitbestimmungspreis für Betriebsräte und Personalräte", der erstmals im vergangenen Jahr vom DGB verliehen wurde.

Unter dem Motto "Mitbestimmte Unternehmen sind innovativer und erfolgreicher." würdigt der DGB so alle zwei Jahre Gremien aus Betriebs- und Personalräten, die im gewerkschaftlichen, sozialen und kulturellen Sinne "Gute Arbeit" geleistet haben, weil sie zum Beispiel Arbeits- und Ausbildungsplätze auf kreative Weise erhalten, Krisen meistern oder Standorte sichern konnten und Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern förderten oder als neugewählte Betriebsräte unter erschwerten Bedingungen antreten mussten, um ihre Rechte durchzusetzen.

persönlicher Favorit

Auf Initiative ihres betreuenden Gewerkschaftssekretärs Bodo Seiler (IG Metall Gaggenau) bewarben sich die Pister-Betriebsräte für den "Mitbestimmungspreis des DGB" und gingen leider leer aus!
Die Jury, die sich aus den Reihen der Politik, Kultur, Soziales und Gewerkschaften zusammensetzt, entschied sich für andere Projekte.

Doch DGB-Baden-Württemberg-Boss Martin Kunzmann machte "hausintern" keinen Hehl daraus, welche Bewerbung sein ganz persönlicher Favorit gewesen war: die jungen, eher unerfahrenen Pister-Betriebsräte, die bekanntlich direkt im Anschluss an die Betriebsratsgründung auch gleich eine Tarifanbindung ihres Betriebs erreichen konnten - mit viel Kreativität, der nötigen Portion Chuzpe und reichlich solidarischem Engagement innerhalb der Belegschaft.

Also vereinbarte Kunzmann einen Gesprächstermin bei der IG Metall Gaggenau, um sich näher über die Aktivitäten des Pister-Betriebsrates zu informieren und ihnen seinen ganz persönlichen Respekt angesichts ihrer Aktionen und Einsätze auszusprechen.

beispielhafte Arbeit an der Basis

"Engagierte und hochmotivierte Betriebsräte, die gegen den Widerstand der Geschäftsleitung in ihrem Betrieb für eine Tarifanbindung kämpfen - davon haben wir noch mehr!", sagte sich Claudia Peter, 1.Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, und lud spontan HBPO-Betriebsrat Steffen Lange hinzu.
So entstand eine Gesprächsrunde, in der wie in einem Lehrstück über beispielhafte gewerkschaftliche Arbeit an der Basis respektive in den Betrieben, referiert wurde.

Unterstützt von IG Metall-Sekretär Bodo Seiler berichtete zunächst Pister-Betriebsrat Robin Lehmann aus 1. Hand vom Weg hin zum Tarifvertrag bei Pister Kugelhähne. Von ersten Wochenendseminaren mit interessierten KollegInnen vor der Betriebsratswahl, von Aktionsideen, stundenlangen Diskussionen beim Feierabend-Bier bis hin zur Betriebsratswahl, an der sich gleich ein hoher Anteil der Belegschaft beteiligte.
Von Beginn an zeichnete sich der Betriebsrat durch frische Kreativität und ein "offenes Ohr" für die Wünsche der Belegschaft aus. So wurde fortan die Metapher "Schifffahrt" verwendet, um etwa auf der 1. Betriebsversammlung einen gemeinsamen Kurs für eine "Interessenvertretung" zu bestimmen. Der Betriebsrat berichtete in einem "Logbuch", "setzte Segel" für einen gemeinsamen Weg zum Tarifvertrag, holte "alle an Bord" für zwei Warnstreiks vor dem Werksgelände, forderte mit Plakataktionen gerechte, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit und und und... bis dann, nach anfänglich zähen Verhandlungen bei sehr unterschiedlichen Positionen, der Durchbruch gelang und gemeldet wurde: "Es ist vollbracht - bei Pister gilt ab sofort Tarif!"

Auch bei HBPO zeigte der Betriebsrat eine "freche Kreativität", mit der man der eher stur auftretenden Geschäftsführung des Automobilzulieferers kräftig "auf die Tube drückt". Zwar ist man bei dem international agierenden Unternehmen noch nicht zu einer Tarifanbindung gekommen, doch berichtete Betriebsrat Steffen Lange, dass "der Betriebsrat bei HBPO seit Februar 2018 mit diversen Aktionen keinen Monat Ruhe gab und gibt". Im Vergleich zu Pister in Muggensturm werde bei HBPO Rastatt zudem mit "härteren Bandagen" gekämpft.

Mit Sprüchen wie "Tarifverhandlungen sind wie eine Tube Senf - man muss unten kräftig drücken, damit oben was rauskommt!" zeigen Betriebsrat und Belegschaft bei HBPO in Rastatt ein Selbstbewusstsein, das auch durch den illegalen Einsatz von LeiharbeitnehmerInnen als Streikbrecher nicht erschüttert werden konnte. Massive Einschüchterungsversuche seitens der Geschäftsführung (Abmahnung, Androhung von Kündigungen) prallen beim engagierten HBPO-Betriebsrat und "seiner" Belegschaft ebenso ab wie Drohszenarien à la "Schließung und Verlagerung des Werks ins gewerkschaftsfreie Ausland".

Vorläufiger Höhepunkt dieses Arbeitskampfes: Bei Daimler stand die Produktion still, nachdem man bei bei Zulieferer HBPO während eines Warnstreiks die Arbeit niedergelegt hatte. Und in anderen HBPO-Niederlassungen wurden mittlerweile weitere Betriebsratsgremien gewählt und Tarifanbindungen anvisiert.

Kein Kavaliersdelikt, sondern kriminell!

Martin Kunzmann zeigte sich durchweg beeindruckt von "so viel Rückgrat" im Kampf gegen ungerechte Verhältnisse am Arbeitsplatz. "Es ist skandalös, wenn Arbeitgeber die Gründung von Betriebsräten hintertreiben oder ihre Arbeit behindern. Sie verweigern damit den Beschäftigten eine Interessenvertretung, auf die sie einen gesetzlich verankerten Anspruch haben. Das ist äußerst kurzsichtig gedacht." Denn Betriebe mit Betriebsrat seien wirtschaftlich erfolgreicher als die Konkurrenz ohne Betriebsräte, sagte Kunzmann weiter. Betriebsräte und Gewerkschaften bringen oft ihre Kreativität und Innovationskraft ein, um gemeinsam mit den Arbeitgebern für einen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens aktiv zu werden. Vorausgesetzt natürlich, die Arbeitgeber lassen sich auf eine Zusammenarbeit ein.
Kunzmann: "Bei unseren Gesprächen mit Politikerinnen und Politikern betonen wir immer wieder, wie wichtig Mitbestimmung und Tarifbindung für den langfristigen Erfolg unserer Wirtschaft sind. Auch weil sie den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft stärken!"
Deshalb habe er kein Verständnis dafür, wenn Betriebsratsmobbing als eine Art Kavaliersdelikt gelte. "Die Arbeitgeber, die die Rechte der Beschäftigten mit Füßen treten, dürfen nicht so einfach aus der Verantwortung gelassen werden wie bisher. Wer eine Straftat begeht - und dazu gehöre die Behinderung von Betriebsräten - muss auch entsprechend zur Rechenschaft gezogen werden."

Abschließend gratulierte Martin Kunzmann mit den Worten "Respekt, Respekt" den beiden Vertretern der Betriebsratsgremien zu ihrer Courage und ihrem Engagement und ermutigte vor allem HBPO-Betriebsrat Steffen Lange, sich für den nächste "DGB Mitbestimmungspreis" im Jahr 2020 zu bewerben. Denn so wie er Langes Arbeit als Betriebsrat einschätze, werde es bis dahin "einige weitere Erfolge zu vermelden geben!"

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Letzte Änderung: 23.01.2019