Wir sind bereit!

Tarif 2018: Miteinander fuer Morgen

01.12.2017 Die Tarifrunde nimmt gerade erst so richtig Fahrt auf und die Arbeitgeber lehnen gleich alles, was die Beschäftigten wollen und ihnen das Leben erleichtern würde, kategorisch ab!

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Während der vierten Delegiertenversammlung in diesem Jahr informierten die 1. Bevollmächtigte Claudia Peter und die Gewerkschaftssekretärinnen und -sekretäre der IG Metall Gaggenau die 100 Anwesenden über den aktuellen Stand nach der ersten Tarifverhandlung, berichteten über die Reaktionen der Arbeitgeber und besprachen die nächsten Schritte zur Durchsetzung ihrer Forderungen.

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"6 Prozent mehr Geld und einen individuellen Anspruch, die Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf bis zu 28 Stunden pro Woche zu verkürzen - dafür werden wir kämpfen!"

Die Delegierten bekräftigen in engagiert geführter Diskussionsrunde, dass sie weiterhin fest und entschlossen hinter den Forderungen der IG Metall stehen.
Ein wichtiges Signal für die nächsten Verhandlungsrunden, das auch beim anwesenden Michael Brecht, Gesamtbetriebsratsvorsitzender Daimler und Mitglied der Tarifkommission, "ankam". Zumal jetzt schon absehbar sei, dass man vor der "schwierigsten Tarifrunde seit 1984" stehe, wie Brecht während der Diskussionen klarstellte. Vor allem die qualitative Forderung nach einer "Wahloption auf Reduzierung der Arbeitszeit bis auf 28 Stunden" stoße bei den Arbeitgebern auf heftigen Widerstand und Unverständnis, berichtete Brecht weiter aus den ersten Verhandlungen. Entsprechend sei Entschlossenheit in den Reihen der Gewerkschafter elementar wichtig für eine Durchsetzung der IG Metall Forderungen, unterstrich Claudia Peter, auch im Hinblick auf anstehende Aktionen in Ludwigsburg zur nächsten Verhandlung und nach dem Ende der Friedenspflicht (endet zum 31.12.)

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Wir sind bereit!

Entsprechend legte Claudia Peter den Fokus ihrer Ansprache auf das Thema Tarifpolitik. "Nur starke Gewerkschaften können auch starke Tarifverträge erstreiten!" gab sich die 1. Bevollmächtigte überzeugt. "Dafür stehen wir auch weiterhin - und zwar gemeinsam!
Wir sind erfolgreich! Wir sind gemeinsam die Garantie für gute Einkommen, die eine wichtige Stütze der Wirtschaft sind!"

Peter erläuterte kurz die "andere" Tarifrunde, von der auch Betriebe in der Region betroffen sind: die Holz- und Kunststoff verarbeitende Industrie. Diesen Betrieben gehe es weiterhin gut, weshalb die Tarifkommission der Branche eine reine Entgeltforderung beschlossen habe:
6 Prozent mehr Lohn und eine überproportionale Anhebung der Ausbildungsvergütung.

Dass die Forderung nach sechs Prozent mehr Entgelt in der Metall- und Elektrobranche mehr als berechtigt sei, belegte Claudia Peter mit aktuellen Vergleichszahlen zur Entwicklung der Preissteigerung, Produktivität und der M+ E-Tarifentwicklung.

Die häufig diskutierte qualitative Forderung nach einer Mitbestimmung bei der eigenen Arbeitszeit und mehr Selbstbestimmung für alle Beschäftigten sei dabei nur konsequent und folgerichtig.

"Unsere Forderung nach mehr Entgelt und der kurzen Vollzeit passen nicht nur in die Zeit, sondern sind auch notwendig. Weil sie ein Stück Garantie für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung sind!" Auch deshalb brauche man endlich einen Ausweg mit Rechtsanspruch auf individuelle Bedürfnisse, führte Claudia Peter weiter aus. Im Falle von Familienarbeiten oder starker gesundheitlicher Belastung wie bei Schichtarbeiten sei zudem ein finanzieller Zuschuss notwendig. Das habe nichts mit Überforderung der Arbeitgeber zu tun, sondern gehöre zu deren gesellschaftlicher Verantwortung.

Dass Arbeitszeitthemen bei gewerkschaftlichen Forderungen immer auch ein Politikum für beide Seiten sei, weiß Claudia Peter aus jahrzehntelanger Erfahrung mit Tarifrunden. Es gehe dabei immer auch um Personal, Leistung und wie beides auszugleichen sei. Doch die Argumentation der Arbeitgeber während der ersten Tarifverhandlung am 14. November fand Peter gelinde gesagt dann doch "überraschend":

"Während für uns die 35-Stunden-Woche das Normalmaß der Wochenarbeitszeit sind, wollen die Arbeitgeber eine kollektive Verlängerung der Arbeitszeit! Plus individuelle Arbeitszeitverlängerung in Form von Ausweitung der 40-Stünder-Quote - allerdings auf Anforderung des Arbeitgebers," sagt Claudia Peter. "Das ist genau das Gegenteil von Zeitsouveränität!"

Es werde ganz allein auf die Arbeitgeber ankommen, ob nach dem Auslaufen der Friedenspflicht am 31. Dezember der "Unfrieden im Betrieb praktiziert werden müsse", warnte Claudia Peter. "Wir alle präparieren uns jedenfalls für die kommenden Wochen!"

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Groköchen oder Minderheitsregierung?

Der 2. Bevollmächtigte Heiko Maßfeller kommentierte das aktuelle politische Umfeld nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungsgespräche und stellte die Frage in den Raum, ob eine Minderheitsregierung - obwohl sie ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wäre - nicht auch eine Chance für eine neue, lebendige Politik sein könne? Während ein "Groköchen" aus CDU/CSU und SPD (schwache 53 Prozent für beide Parteien) die Oppositionsparteien stärken würde, könnten sich bei einer Minderheitsregierung die Parteien inhaltlich mit den aktuellen Themen auseinandersetzen und politische Profile so gestärkt werden.
Trotz einer derzeit unsicheren politischen Lage boome die deutsche Wirtschaft weiterhin, sagte Maßfeller. Was sich auch in den Betrieben der Region bestätige.

Maßfeller betonte, dass sich die Forderungen, die von der Gewerkschaft an die Parteien gerichtet wurden, nicht verändert haben. Digitalisierung, Arbeitszeit, Bildung und soziale Sicherheit seien dringend zu bearbeiten. Nur so könne "Arbeit 4.0" im Sinne der Beschäftigten in der künftigen Politik abgebildet werden.

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Wir sind immer mehr!

IG Metall Gewerkschaftssekretär Christian Herbon berichtete über eine weiterhin positive Mitgliederentwicklung, nicht zuletzt aufgrund einer konsequenten Erschließung neuer Betriebe wie Pister, Schmitt, Rauch und Grammer. 23.763 Mitglieder zählte die Geschäftsstelle Gaggenau bis einschl. Oktober. Als außerordentlichen Erfolg bezeichnete Herbon die steigende Tendenz bei den betrieblichen Mitgliederzahlen - ein Ergebnis, das man in erster Linie den UnterstützerInnen der IG Metall in den Betrieben zu verdanken habe.
Auch aus den Reihen der IG Metall-Jugend berichtete Herbon Erfreuliches. Gemeinsam mit den Jugend- und Auszubildendenvertretungen in den Betrieben konnten innerhalb der ersten Ausbildungswochen bereits 168 neue Mitglieder unter den Auszubildenden gewonnen werden (Orga-Grad: 67%). Herbon zeigte sich zuversichtlich, wie in den Jahren zuvor hier einen Organisationsgrad von 80 Prozent zu erreichen.

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Nicht nur die "großen" Betriebe

Gewerkschaftssekretärin Astrid Haack brachte die Delegierten über wichtige regionale Themen auf den neuesten Stand. So sei beim Zuliefererbetrieb Antolin damit zu rechnen, dass der Personalabbau von 100 Beschäftigten im Frühjahr 2018 beginnen wird (zunächst Leiharbeiter, ab Oktober fest Beschäftigte).
Beim Mittelkonsolen-Zuliefererbetrieb Grammer in Rastatt wurde kürzlich ein Wahlvorstand gewählt, der nun eine erste Betriebsratswahl vorbereitet. Entsprechende wöchentliche Aktionen vor den Toren des Unternehmens sollen die Belegschaft zusätzlich motivieren.
Nachdem im Oktober ein Forderungsbeschluss an die Geschäftsführung von Pister übergeben wurde, verlaufen derzeit die Verhandlungen zur Anerkennung der Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie bisher ruhig und konstruktiv, erläuterte Haack. Und obwohl die KollegInnen des Siemens-Werks in Rastatt nicht von den Plänen für einen drastischen Stellenabbau des Großkonzerns betroffen sind, wollen und werden sie sich dennoch mit den Betroffenen solidarisch zeigen und an Aktivitäten gegen diese Maßnahmen teilnehmen!

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Statements während der Diskussion (Auswahl/Auszüge)

  • Die Forderungen beinhalten eine sehr komplexe Thematik und sind innerbetrieblich nicht immer einfach zu vermitteln. Ordentlich auf den Punkt gebracht, versteht sie aber jeder - weil es jeden Einzelnen betrifft!
  • Dass in den Medien bisher immer nur von einer "Arbeitszeitkürzung auf 28 Stunden" die Rede war, hat die Sache kompliziert gemacht. Die Forderung muss deutlicher formuliert den Medienvertretern näher gebracht werden!
  • Die Forderung nach reduzierter Vollzeit kann auch für junge Menschen sehr interessant sein. Selbst wenn deren Stressfaktor bei der Arbeit zumeist noch auszuhalten ist, kann "eigene Zeit" durchaus entlastend sein bei der Fortbildung, in der Schule vor wichtigen Examen oder auch bei der Familienbetreuung.
  • Die Betriebe sind in Sachen Arbeitszeit flexibler als manche wahrhaben wollen. Schon heute gibt es viele Teilzeitler, werden verschiedene Schichtmodelle "gefahren". Wir müssen viel selbstbewusster an diese Thematik herangehen!
  • Die Arbeitgeber sind auf Krawall gebürstet!
  • Aus der Perspektive der IG Metall Bezirksleitung gibt es ein hervorragendes "TÜV-Zeugnis" für die Geschäftsstelle Gaggenau. Ein so gut strukturiertes Vorgehen, wobei nicht nur die Vorzeigebetriebe wie Daimler eine Rolle spielen, sondern auch kleinere Betrieb in der Region, ist keineswegs selbstverständlich und hat Vorbildcharakter! (Martin Gürtler)

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Letzte Änderung: 17.05.2018