Betriebsversammlung MB Werk Gaggenau

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03.12.2015 Pressemeldung des Betriebsrates über die Betriebsversammlung am 01. Dezember 2015 im Mercedes Benz Werk Gaggenau

Weiterhin hervorragende Programm- und Beschäftigungssituation
Weitere Meilensteine zur Standortstrategie vereinbart!

-Zukunftssicherung Daimler als besonderes Signal für eine gute Zukunft im Unternehmen
-Michael Brecht: "Der Standort wird weiterentwickelt und die Arbeitsplätze heute und bis weit in die Zukunft abgesichert!"
-Hervorragende Programm- und Beschäftigungssituation
-Erfolgreicher Abschluss der Neuregelung zur Altersteilzeit
-Die Daimler-Standorte beteiligen sich aktiv an der Flüchtlingshilfe
-Zum ersten Januar wird das Ideenmanagement auf neue Beine gestellt
-Kampagne Mobiles Arbeiten beteiligt die Mitarbeiter
-Positive Bilanz von ProCent

In seinem Tätigkeitsbericht ging der Betriebsratsvorsitzende Michael Brecht auf die aktuelle wirtschaftliche Situation des Konzerns ein. Er legte dar, dass die Weltwirtschaft insgesamt trotz vieler politischer Krisen weiter wächst und sich insbesondere der nordamerikanische und asiatische Raum als Wachstumsmotor erweist.

In China schneidet die Marke Mercedes-Benz deutlich besser als die Konkurrenz ab - trotz unter den Erwartungen liegenden Wachstumsraten im PKW- Gesamtmarkt. Der Ausblick auf die Automobilnachfrage in 2016 ergibt ein sehr unterschiedliches Bild in den verschiedenen Märkten. Insgesamt wächst der Konzern 2015 weiter, auch für das laufende Jahr sind Absatz-Rekorde im PKW-Bereich zu erwarten. Im Truck-Bereich konnte sich das Unternehmen trotz schwierigen Marktbedingungen weiter hervorragend behaupten.

Michael Brecht zeigte der Belegschaft zudem auf, welchen zukünftigen Herausforderungen sich die Automobilproduktion im Hinblick z.B. auf Emissionsvorgaben, alternative Antriebe, (teil-)autonomes Fahren und individuelle Mobilität stellen muss.

Erfolgreiche Verhandlungen zu den Zukunftsbildern
Zielsetzung des Gesamtbetriebsrats ist angesichts dieser Herausforderungen und im Hinblick die strategische Ausrichtung des Konzerns, klare Zukunftsperspektiven für die Belegschaften an den bestehenden Standorten zu schaffen. Die Standorte sollen an der Wachstumsstrategie des Konzerns teilhaben, die Sicherheit der Arbeitsplätze steht dabei an erster Stelle. Hierzu wurden mittlerweile an fast allen Standorten sogenannte Zukunftsbilder vereinbart, die eine Teilhabe an der Wachstumsstrategie des Konzerns sicherstellen. Kernpunkte der Zukunftsbilder an allen Standorten sind umfangreiche Zukunftsinvestitionen von über 8 Mrd. Euro und für Gaggenau mind. 800 Mio. bis 2021.

Zukunftssicherung vorzeitig verlängert!
Auf Grundlage der Zukunftsbilder an den Standorten ist es dem Gesamtbetriebsrat gelungen, die im nächsten Jahr auslaufende Zukunftssicherung Daimler vorzeitig weitgehend unverändert zu verlängern. Kernpunkt der Zukunftssicherung ist der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2020 sowie die Übernahme von Auszubildenden. Dies wird innerhalb der Belegschaft als besonderes Zukunftssignal gewertet und schafft Sicherheit.

Im September wurden die gemeinsamen Grundpositionen zum Generationenmanagement für die Handlungsfelder strategische Ausrichtung, Ergonomie, Gesundheit, Führung, Lernen und Personalentwicklung festgeschrieben. Die Grundpositionen sollen den vielfältigen Aktivitäten an den Standorten einen Rahmen und den Akteuren Orientierung geben. Ziel ist es die Arbeit so zu gestalten, dass alle Beschäftigten in jeder Lebensphase ihr volles Potenzial ausschöpfen können und alle Beschäftigten gesund und in Würde bis zur Rente bei Daimler arbeiten können

Erfolgreicher Abschluss der Neuregelung zur Altersteilzeit:

Der IG Metall ist es gelungen, im Tarifkonflikt im Frühjahr die Fortführung der tariflichen Altersteilzeit durchzusetzen. Auf dieser Basis konnten verschiedene ATZ-Modelle betrieblich vereinbart werden, die einen individuelleren und flexibleren Übergang in die Rente möglich machen. Auch der lückenlose Übergang von der Altersteilzeit in die sogenannte "Nahles-Rente" mit Alter 63 nach 45 Versicherungsjahren ist nun möglich. Daimler bietet schon heute deutlich mehr Beschäftigten Altersteilzeit an, als es die tariflich vereinbarte Quote vorsieht. Die jährlichen Kontingente werden im bisherigen Umfang weitergeführt.

Logistikstrategie: Die Unternehmensleitung plant in der Logistik weiterhin Fremdvergaben. Es ist ein bundesweit feststellbarer Trend, dass die Dienstleistungstiefe in den Betrieben deutlich abnimmt und die Vergabe von Logistikaufgaben an Fremdfirmen kontinuierlich zunimmt. Strategie des Betriebsrats und der IG Metall ist es, alle Anstrengungen zu unternehmen, Kernbereiche der Logistik in Eigenbetrieb zu halten. Gleichzeitig sollen bei den Fremdfirmen Mitbestimmungsstrukturen geschaffen werden, d.h. also Wahlen von Betriebsräten und die gewerkschaftliche Organisation der dortigen Beschäftigten unterstützt werden. Ziel ist es, dem Missbrauch von Werkverträgen Einhalt zu gebieten und für die Logistikfirmen Tarifbindung herzustellen.

Wechsel auf der Arbeitnehmer-Vertreter-Bank im Aufsichtsrat
Nach der Wahl von Jörg Hofmann zum 1. Vorsitzenden der IG Metall verlässt dieser den Daimler Aufsichtsrat. Zum 4.11. wurde Roman Zitzelsberger, IG Metall-Bezirksleiter in Baden-Württemberg und ehemaliger Erster Bevollmächtigter der Verwaltungsstelle Gaggenau in den Aufsichtsrat der Daimler AG berufen.

Flüchtlingshilfe: Daimler beteiligt sich aktiv an der Flüchtlingshilfe. Neben einer groß angelegten Beschäftigten-Spendenaktion gibt es konkrete Projekte auf Standortebene. Ziel ist die berufliche und soziale Integration der Flüchtlinge. Hier werden zukünftig sogenannte Brückenpraktika angeboten, mit dem Ziel einer verbesserten Vermittlungschance auf dem Arbeitsmarkt. Derzeit läuft ein Pilot im Werk Untertürkheim. In Gaggenau finden derzeit Gespräche zwischen Standortleitung und Betriebsrat statt, wie der Standort Gaggenau sich in 2016 ebenfalls an diesem Programm zur Integrationshilfe beteiligen wird. Die Brückenpraktikanten stehen nicht in Konkurrenz zu unseren Leiharbeitnehmern oder Stammbeschäftigten.

Großer Raum nahm der Umbau des Standortes Gaggenau ein:

Wie berichtet, wurde Anfang des Jahres eine Standortstrategie für Gaggenau vereinbart, in dem z. B. der Ausbau der Kapazitäten innerhalb der schweren Getriebebaureihe vereinbart wurde, um die Zulieferung nach Nordamerika zu sichern. Weiterer Bestandteil ist die Weiterentwicklung und Absicherung der Wandlerfertigung sowie die 2. Ausbaustufe des Presswerkes in Kuppenheim.
Neue Themen haben sich hierzu ergeben:

3. Ausbaustufe in Kuppenheim!
In Gesprächen zwischen dem Geschäftsfeld Pkw und dem Betriebsrat wurde vereinbart, dass nun bereits die 3. Ausbaustufe Kuppenheim vermeldet werden kann. Diese 3. Ausbaustufe wird möglich, indem die heutigen Presskapazitäten ausgelastet sowie komplexe umfangreiche Rohbauumfänge in Kuppenheim integriert werden. Dabei handelt es sich um Rohbauumfänge Pkw, die ohne die Initiative des Betriebsrats fremdvergeben worden wären.

Im Zusammenhang mit der Presswerk- und Rohbauerweiterung war ein weiteres wichtiges Thema ist die Neuorientierung der leichten Schaltgetriebefertigung. Hier gibt es seit vielen Jahren den eindeutigen Trend in Richtung Automatik- und Doppelkupplungsgetriebe. Deshalb war es dem Betriebsrat wichtig, schon frühzeitig die Weichen entsprechend zu stellen. Da momentan die PKW-Kapazitäten deutlich erhöht werden, kann diese Neuordnung forciert werden. Deshalb wurde Anfang November mit dem Unternehmen eine Vereinbarung getroffen, schon frühzeitig aus der NSG- und Transporterschaltgetriebe-Fertigung auszusteigen und auf den freiwerdenden Flächen ebenfalls Rohbau- und weitere Fertigungsumfänge der neuen A- und B-Klasse zu installieren.

Kapazitätserweiterung im Wandlerbereich!
Ein weiteres positives Szenario ergibt sich in der heutigen Wandlerfertigung. Durch die Wachstumsstrategie im PKW-Bereich hat sich das Programm im Wandlerbereich sukzessive erhöht. Aktuell nähert man sich der heutigen Kapa-Grenze. Nun wurde ein weiteres Investitionsvolumen zur deutlichen Erweiterung vereinbart.

"Durch die geplanten Maßnahmen wird der Standort weiterentwickelt und die Arbeitsplätze heute und bis weit in die Zukunft abgesichert", so Brecht.

"Wir arbeiten rund um die Uhr", begann der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Udo Roth seinen Bericht und konnte auf eine fast durchweg hervorragende Programmsituation verweisen. Dementsprechend gestalten sich die Belegschaftszahlen weiterhin äußerst positiv. Aktuell sind inklusive Leiharbeitnehmer knapp 7.000 Menschen im Gaggenauer Benz-Werk beschäftigt. Er verwies aber auch auf den extrem hohen Anspannungsgrad und auf ein Rekordniveau bei den Überzeiten. Dies ist durch die hohe Programmsituation und mittlerweile auch die fehlenden oder im Aufbau befindlichen Kapazitäten verursacht. Er machte deutlich, dass offene Personalbedarfe bestehen und weiter zusätzliches Personal zur Abarbeitung der Programme notwendig ist. Hierzu wurde eine neue Betriebsvereinbarung zum 1.12. abgeschlossen. Diese schreibt die Beschäftigung von zusätzlichen Leiharbeitnehmern fest, sowie die weitere Vorgehensweise bei Auslauf bzw. Hochlauf von bestimmten Aggregaten/Fertigungsumfängen sowie die Handhabung von Mehrarbeitszeiten.

50 Übernahmen in Festverhältnisse vereinbart!
Michael Brecht konnte der Belegschaft die erfreuliche Botschaft verkünden, dass mit Wirkung zum 1. April 2016 50 Kolleginnen und Kollegen mit befristeten Verträgen oder in Leiharbeit in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werden können.

Udo Roth kritisiert die weiterhin hohen Spar- und Rationalisierungsziele in den indirekten Bereichen und appellierte eindringlich an das Management, hochkomplexe Kernaufgaben nicht fremd zu vergeben, sondern weiterhin in Eigenregie zu betreiben.

Gemeinsame Anstrengungen von Unternehmensleitung, Fachbereichen und Betriebsrat zur Verbesserung der Ergonomie.
Mit Stolz teilte der Betriebsrat auf der Betriebsversammlung mit, dass weitere Arbeitssysteme mit dem sogenannten Gütesiegel ausgezeichnet wurden und auch die Anzahl der hochbelasteten Arbeitsplätze deutlich verringert werden konnte.

Das Ideenmanagement (betriebliches Vorschlagswesen) auf neue Beine gestellt. Ein dialogorientierter Prozess, ein anwenderfreundliches IT-System, klare und transparente Prozesse und Regeln sollen zu noch mehr eingereichten Ideen und damit zu noch mehr Erfolg in diesem Thema führen. Bereits heute spart der Konzern Jahr für Jahr ca. 70 Mio. Euro durch clevere Mitarbeiterideen ein. Mit der neuen Betriebsvereinbarung findet zudem der Einstieg in Prämierung von Ideen mit Wirkung bei internationalen/ inländischen Konzerntöchtern statt, außerdem werden die Prozesse und Entscheidungswege deutlich verschlankt. Das äußerst attraktive Prämiensystem, das in der Branche absolut Benchmark ist, bleibt erhalten. So haben die Beschäftigten weiterhin die Möglichkeit, bis zu 30 % Prämienanteil vom erzielten Jahresnutzen zu erreichen mit einer Maximalprämie von bis zu stolzen 125.000 Euro. Die neue Vereinbarung wird ab dem 1. Januar in Kraft treten.

Frauenförderung: In Gesprächen zwischen Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat konnte eine Einigung auf neue Zielkorridore zur Frauenförderung erzielt werden. Der bisherigen Zielkorridore wurden in der Gesamtbelegschaft, in der Berufsausbildung und auf den Führungsebenen erreicht - einzig bei der technischen Berufsausbildung wurde er knapp verfehlt. Für alle Belegschaftsgruppen werden die Korridore nun angehoben, um anspruchsvolle, aber realistische Ziele zu setzen. Neu eingeführt wird ein Zielkorridor für den Frauenanteil auf der Ebene der Meister in der Produktion. Die neuen Korridore gelten vorbehaltlich der Zustimmung des Gesamtbetriebsrats in seiner Dezember-Sitzung.

Erfolgreicher Beteiligungsprozess
Kollegin Petra Funke berichtete von der Kampagne Mobiles Arbeiten. Die Kampagne knüpft an der IG Metall-Beschäftigtenbefragung an, bei der entsprechende Anforderungen formuliert wurden. Bei einer Online-Befragung der Beschäftigten in den indirekten und Verwaltungsbereichen von Daimler konnte eine ausgesprochen hohe Beteiligung verzeichnet werden. Die Befragungsergebnisse werden derzeit in Workshops an den Standorten mit engagierten Beschäftigten vertieft. Dabei wird diskutiert, welche Wünsche, Anregungen, und Anforderungen die Beschäftigten an eine neue Betriebsvereinbarung zum Mobilen Arbeiten haben. Diese werden nun gesammelt und sollen Grundlage für Verhandlungen von Gesamtbetriebsrat und Unternehmensleitung über eine neue Vereinbarung sein.

Abschließend zog Udo Roth eine absolut positive Bilanz zum Spendenfonds ProCent. In Summe wurden in Gaggenau im Jahr 2015 11 Projekte vorgeschlagen und umgesetzt, davon neun regionale, ein internationales sowie ein überregionales Projekt. Allein mit den neun regionalen Projekten fließen rund 40.000 Euro in die Region. Das Förderspektrum ist sehr breit und umfasst Projekte von der Unterstützung des Kinderhospizes, über karitative Projekte bis hin zur Behindertenhilfe.

Gemeinsam von der Standortleitung und dem Betriebsrat wurde das Projekt "Schenk ein Lächeln" beworben. Kolleginnen und Kollegen, die möchten, packen ein Geschenk für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. Weihnachtskartons werden von der Firma kostenlos gestellt. Die Geschenke werden dann kurz vor Weihnachten von unseren Partnern, (regionale Tafeln, Caritasverband, Diakonie etc.) an bedürftige Kinder in der Region und an die Flüchtlingsunterkünfte verteilt. Man rechnet hier mit ca. 650 Paketen.

Letzte Änderung: 03.12.2015