Wenn der Arbeitsplatz zur Sauna wird...

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04.08.2015 Sonnige Aussichten verspricht die Wettervorhersage für die restliche Woche - gibt es nun Hitzefrei für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer?

So schön es ist, am Baggersee oder im eigenen Garten die Hitze zu genießen, so beschwerlich fällt oft das Arbeiten unter diesen Bedingungen. Manche Sonnenanbeter fragen sich da: "Muss ich wirklich am Arbeitsplatz bleiben - oder bekomme ich Hitzefrei?" Die Antwort ist so kurz wie ernüchternd: Nein, es gibt für Beschäftigte grundsätzlich kein Hitzefrei. Allerdings muss der Arbeitgeber Räume, Vorrichtungen oder Gerätschaften so einrichten und unterhalten, dass die Arbeitnehmer gegen Gefahr für Leben und Gesundheit soweit geschützt sind, als es die Natur der jeweiligen Dienstleistung gestattet (§ 618 BGB). Es reicht nicht, dass die Hitze unangenehm ist, sie muss schon schädlich sein. Genauere Antworten bieten die Arbeitsstättenverordnung sowie die damit verbundene Arbeitsstättenregel ASR 3.5. Gemäß § 3 Abs. 1 ArbStättVO in Verbindung mit Ziffer 3.5 Technischen Regel Arbeitsstätten (ASR) muss in Arbeitsräumen "eine gesundheitlich zuträgliche Temperatur" herrschen. Die ASR bestimmt grundsätzlich eine Raumhöchsttemperatur von 26°C. Bei darüber liegender Außentemperatur darf jedoch in Ausnahmefällen auch die Lufttemperatur im Innenraum höher sein.

Der Arbeitgeber muss handeln
Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass die Beschäftigten unter gesundheitsgerechten Bedingungen arbeiten können: Wird es im Büro wärmer als 26 Grad, kann durch Nachtauskühlung oder Getränkeversorgung die Beanspruchung der Mitarbeiter gemindert werden. Bei mehr als 30 Grad Raumtemperatur ist der Arbeitgeber sogar verpflichtet, zusätzliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Steigt die Temperatur auf über 35 Grad, so ist der Raum als Arbeitsraum nicht mehr geeignet - es sei denn, es werden Schutzmaßnahmen ähnlich wie bei Hitzearbeitsplätzen ergriffen - wie Luftduschen oder Entwärmungsphasen.

So wird die Hitze erträglicher
Es können unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden, die die Hitze am Arbeitsplatz erträglich machen:
* Verkürzung der täglichen Arbeitszeit: Beispielweise maximal sechs Stunden pro Arbeitstag bei einer Innenraumtemperatur von 27 bis 29 Grad Celsius, maximal vier Stunden bei 29 bis 31 Grad. Steigen die Temperaturen noch höher, sind nur noch Notfallarbeiten zulässig.
* Es gibt zusätzliche stündliche, auf die Arbeitszeit anzurechnende Pausen. Beispielsweise zehn Minuten bei einer Innenraumtemperatur von 27 bis 29 Grad Celsius, 20 Minuten bei mehr als 30 Grad.
* Die Arbeitszeiten könnten zudem in die frühen Morgenstunden verlegt werden.
* Leistungsvorgaben werden reduziert. (Bei über 26 °C darf es keine Abmahnungen wegen Minderleistung geben!)
* Verstärkt könnte auch das Home Office für die Arbeit der Beschäftigten in Betracht kommen.
* Außerdem kann der Arbeitgeber Getränke bereit stellen. Dazu eignen sich ungesüßte Kräutertees, Mineralwasser und verdünnte Fruchtsäfte ohne Zucker. Die Getränke sollten nicht zu kalt sein (ca. 20 Grad).
* Lockerung von Bekleidungsregeln.

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extra - Sommerhitze

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Letzte Änderung: 17.05.2018