Ferienzeit = Urlaubszeit

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05.08.2022 Die Ferienzeit hat begonnen - Zeit für Erholung! Aber auf wie viele Tage Urlaub haben Beschäftigten eigentlich einen Anspruch? Und wo kommt "der Urlaub" eigentlich her?

Dazu vielleicht erst einmal 2-3 Schritte zurück in die Geschichte, denn: der Urlaub im heutigen Sinn ist ein vergleichsweise neues Phänomen, das erst mit dem Beginn des industriellen Zeitalters Bedeutung erlangt hat. Die industrielle Fertigung machte eine Regulierung der Arbeitszeit notwendig. Sie ließ auch die Unterscheidung zwischen Arbeitszeit und Freizeit deutlicher hervortreten, als dies im vorindustriellen Zeitalter der Fall war. Für den Bauern oder den freien Handwerker richtete sich die Arbeit nach dem Jahreslauf und der Witterung mehr als nach der Stechuhr, erst diese teilte den Tag in bezahlte Arbeitszeit und unbezahlte Freizeit.

Urlaub als Ergebnis der Industrialisierung

Urlaub entstand zudem mit der maschinellen Massenfertigung der Fabrikarbeiter. Der erste echte Urlaubsanspruch ergab sich deshalb auch nicht aus einem Gesetz, sonders aus Tarifverträgen. Zuvor wurden höchstens einige Tage bezahlte Freistellung im Jahr vom Arbeitgeber einseitig gewährt.

Tarifverträge führen Urlaub ein

Die erste tarifvertragliche Urlaubsregelung erstritt im Jahre 1903 der Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Der Urlaub betrug drei Tage im Jahr. Entwicklungen in diese Richtung gab es zudem bei den Gemeinde- und den Staatsarbeitern, den Buchdruckern, den Transportarbeitern und den Eisenbahnern. Erstmals im Jahre 1907 forderte der Buchdrucker Ludwig Rexhäuser im "Correspondenzblatt" der Gewerkschaften: "Erholungsurlaub für Arbeiter!"

Bundesurlaubsgesetz und Tarifverträge

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges findet sich in vielen Landesverfassungen das Recht auf einen Mindesturlaub von zwei Wochen, das Grundgesetz greift dies jedoch 1949 nicht auf. Der Urlaubsanspruch wird stattdessen erst 1963 mit dem Bundesurlaubsgesetz geschaffen, das allen Arbeitnehmer*innen einen Mindesturlaub von drei Wochen zusichert. In den sechziger und siebziger Jahren gelingt es den Gewerkschaften zudem in fast allen Branchen, den gesetzlichen Mindesturlaub durch tarifrechtliche Regelungen auszudehnen: 1975 haben fast die Hälfte der Arbeitnehmer*innen Anspruch auf vier Wochen Tarifurlaub. 1977 beträgt der durchschnittliche Anspruch auf Tarifurlaub 24 Tage. In der holzverarbeitenden Industrie kann die Gewerkschaft Holz und Kunststoff 1962 zudem erstmals ein zusätzliches Urlaubsgeld durchsetzen. Dies gelingt den Gewerkschaften später auch für viele andere Branchen. Im Jahre 2012 erhalten 59 Prozent aller Beschäftigten mit Tarifbindung zusätzliches Urlaubsgeld. Im Winter 1978/79 setzten die Beschäftigten der westdeutschen Eisen- und Stahlindustrie den Anspruch auf sechs Wochen Tarifurlaub in der Stahlindustrie durch.

Und die Regelungen heute?

Was 1978/79 gelang, gilt heute in fast allen tarifgebundenen Branchen und Betrieben. Bei einer 5 Tage-Woche 30 Tage Urlaub (also 6 Wochen). Der gesetzliche Urlaubsanspruch beträgt dagegen vier Wochen, wobei der Gesetzgeber von einer sechs-Tage-Woche ausgeht. Bei einer 5 Tage-Woche haben Beschäftigte nach dem Gesetz also nur Anspruch auf 20 Tage Urlaub. Zusätzliches Urlaubsgeld kennt das Gesetz übrigens bis zum heutigen Tag nicht!

Daran zeigt sich: Tarifverträge bringen einen echten Vorteil - auch beim Urlaub und natürlich beim zusätzlichen Urlaubsgeld! Aber: einen Rechtsanspruch auf diesen Urlaub und das Urlaubsgeld habe nur die Mitglieder!

Letzte Änderung: 05.08.2022