Netzwerk für die Zukunft

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02.05.2019 Was hat ein roter Wollfaden mit der wirtschaftlichen und sozialen Zukunft unserer Region zu tun? Bei der 1.Mai-Feier der IG Metall Gaggenau gab es die passenden, vernetzten Antworten.

Ein Wetter wie im Bilderbuch, ein mit begeisterten GewerkschafternInnen bis auf den letzten Platz gefüllter Marktplatz, spannende Gespräche und Reden zu aktuellen Themen aus Politik und den regionalen Betrieben, stimulierende Musik und vier Ausstellungsstücke mit zukunftsweisender Technik unter der Haube - können MetallerInnen und die IG Metall mehr von einem 1. Mai erwarten?

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"Natürlich kümmere ich mich um die Zukunft. Ich habe vor, den Rest meines Lebens darin zu verbringen." Mark Twain

Mehr als 400 MetallerInnen aus der Region folgten der Einladung der IG Metall Gaggenau und feierten ihren "Tag der Arbeit und Arbeiterbewegung" in der Gaggenauer Fußgängerzone. Unter dem Motto "Zukunft - denken, gestalten verändern" begrüßten die 1. und 2. Bevollmächtigten Claudia Peter und Heiko Maßfeller sowie der Gewerkschaftssekretär Bodo Seiler ihre Gäste mit den Worten: "Zukunft und Arbeit sind untrennbar miteinander verbunden. Wir haben nur eine Zukunft, wenn wir weiter gute Arbeit haben. Wir haben nur dann gute Arbeit, wenn unsere Region eine Zukunft hat."

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Und genau darüber wurde an diesem 1. Mai auf eine besondere Weise geredet, diskutiert und nachgedacht. Claudia Peter tauschte diesmal die traditionelle 1.Mai-Ansprache gegen einen Dialog mit dem Publikum. Der wurde originell quer über den Marktplatz buchstäblich gesponnen: Mit einem Wollknäuel zog die 1. Bevollmächtigte von GesprächspartnerIn zu GesprächspartnerIn und bildete so ein Netzwerk aus einem "Roten Faden", an dem sich die einzelnen RednerInnen thematisch und visuell miteinander verbanden.
Das brachte reichlich Leben in die Feier (siehe Fotos) und sorgte für Spaß und Teilnahme unter den 1.Mai-Feiernden. Zuletzt war der Rote Faden respektive ein Rotes Netzwerk kreuz und quer über den Platz und die MetallerInnen gezogen - eine symbolträchtige, solidarische Verbindung und Vernetzung zwischen Menschen und Themenbereichen, die unsere Zukunft bestimmen werden.

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Was macht unsere Region aus?

Die E-Mobilität als ein neuer Motor für den Landkreis Rastatt, der Einzug der Digitalisierung in die Betriebe, der hohe Wert von Tarifverträgen in kleinen und großen Betrieben, genügend und gute Berufsausbildung, Politik für Beschäftigte und Rentner, Kommunal- und Europawahlen... der 2. Bevollmächtigte Heiko Maßfeller und die SekretärInnen Bodo Seiler, Christian Herbon, Astrid Haack stimmten die MetallerInnen mit prägnanten und informativen Ausführungen auf die jeweiligen Zukunftsthemen ein. Und die 1. Bevollmächtigte Claudia Peter zog mit Wollknäuel und Mikrophon als Moderatorin durch die Reihen der MetallerInnen...

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Auszüge aus den Wortbeiträgen:

Udo Roth, Stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Mercedes Benz Gaggenau zum Thema "zukünftige Antriebe in Fahrzeugen": "Daimler hat ja den Anspruch, bis 2025 etwa 15-25 Prozent der PKWs mit Batterien anzutreiben. Und sogar im LKW-Bereich, von dem man bisher dachte, es würden jegliche Änderungen sehr langsam voranschreiten, gibt es jetzt die gesetzliche Vorgabe, die Emissionen bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Hierfür benötigen wir eine Übergangszeit, in der viele Antriebe parallel produziert werden müssen. Deshalb sage ich auch ganz klar: Es ist ein Fehler, den Diesel jetzt zu verteufeln! Wir müssen die neuen Antriebe finanzieren, und das geht nur über bestehende Versionen wie u.a. den Diesel. Für die Beschäftigten haben wir im Betriebsrat bereits die Zusage erhalten, dass sie in die Transformation mitgenommen und entsprechend weitergebildet werden. Zudem fordern wir, dass die neuen Antriebstechnologien auch tatsächlich in unseren Betrieben produziert werden, so dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben!"

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Wir Betriebsräte packen es an!

Michael Lehmann, stellv. Betriebsratsvorsitzender Daimler Rastatt, zum Thema E-Mobilität in der Region - Abwägung zwischen Arbeitsplätzen, Umweltschutz und Interessen von umliegenden Landwirten, Vereinen: "Nachdem der Gemeinderat einer Werkserweiterung bei Daimler Rastatt für den Ausbau der E-Mobilität zugestimmt hat, wollen wir als Betriebsrat nun erreichen, dass keiner der Beteiligten als Verlierer dastehen wird. Entsprechend wollen wir den Verkehrsfluss zum Werk mindern, mehr pendelnde Mitarbeiter in die Bahn bringen, spezielle Shuttle-Services vom Bahnhof zum Werk einrichten und vieles mehr. Es gibt eine Menge zu tun - und wir Betriebsräte packen es an!"

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Michael Pfeiffer, Bürgermeister in Gaggenau, auf die Frage "Was sind in der kommunalen Politik wichtige Themen für die Wirtschaftspolitik?": "Es ist ganz wichtig, dass die Kommunalpolitik die Betriebe, die direkt und indirekt am Automobilbau beteiligt sind, so weit es nur geht bei den anstehenden Veränderungen unterstützt. Das kann sich so äußern, dass wir den Betrieben den notwendigen Raum für ihre Umstrukturierungen geben, aber auch, dass wir uns als Stadt den neuen Antrieben öffnen. So wird zum Beispiel bald das zweite Elektromobilfahrzeug für den Gaggenauer Bauhof unterwegs sein. Und wenn eines der hier vorgestellten E-Fahrzeuge betankt werden müsste - das wäre kein Problem, wir haben bereits Stromtankstellen in Gaggenau. Obwohl ich natürlich weiß, dass die entsprechende E-Infrastruktur zwar für den jetzigen Stand ausreicht, für die Zukunft werden wir als Kommune noch weiter investieren müssen. Unabhängig davon werden wir im Sommer 125 Jahre Automobilbau in Gaggenau feiern. Es wird u.a. einen großen Autokorso mit Automobilen geben, die unsere Stadt mitbestimmt haben: Orient-Express, Unimogs etc.

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Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran

Ulrich Mörmann, Betriebsrat bei Siemens, berichtete über die Veränderungen, die sich derzeit im Werk Rastatt aufgrund der Digitalisierung ereignen: "Bei uns hat die Digitalisierung in der Produktion längst Einzug gehalten. So werden zum Beispiel Maschinendaten in eine Cloud geschrieben und dort wird digital beurteilt und entschieden, ob ein Werkzeugwechsel ansteht, das entsprechende Teil wird automatisch geordert, unsere Instandhalter werden informiert... nahezu die gesamte Kontrolle des Produktionsbereichs findet auf digitalem Wege statt. Als Betriebsrat engagieren wir uns nun, die KollegInnen in diese neue Arbeitswelt hinein zu begleiten. Dabei fallen natürlich Arbeitsplätze weg und neue entstehen - der Siemens Betriebsrat hat bereits eine ganze Reihe an Fort- und Weiterbildungen angestoßen."

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Christian Herbon (IG Metall Gaggenau) berichtete stellvertretend am Beispiel des Automatenherstellers Evoca von einer Erosion guter Arbeitsbedingungen gerade bei kleinen Unternehmen: "Dieser Arbeitgeber weigert sich bereits seit Monaten, mit der IG Metall Gespräche für eine Tarifanbindung aufzunehmen. Hier müssen wir den Druck erhöhen - die Beschäftigten sind aktionsbereit, was nicht zuletzt auf den hohen Organisationsgrad von über 75 Prozent in dem Unternehmen zurückzuführen ist. So eine Kampfkraft zeigt, wie wichtig die Mitgliedschaft in der IG Metall gerade für Beschäftigte in kleineren Unternehmen sein kann!"

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Bodo Seiler (IG Metall Gaggenau), der nur einen Tag zuvor den Abschluss eines Tarifvertrags beim Automobilzulieferer HBPO erreicht hatte, zeigte auf, was gelebte Solidarität bewirken kann: "Die KollegInnen bei HBPO organisierten sich vor ungefähr einem Jahr, um sich gegen einen Lohn, der deutlich unter Tarifniveau lag, zu wehren. Die Reaktion des Arbeitgebers war Schikane und Einschüchterung. Nachdem sich aber immer mehr HBPO-KollegInnen solidarisierten, konnte der Druck auf den Arbeitgeber empfindlich erhöht werden. Nach langen, teils zähen Verhandlungen und einem erstmaligen Warnstreik ist nun ein Vertrag unterschrieben und die KollegInnen bei HBPO erhalten für die gleiche Arbeit bis zu 20 Prozent mehr Lohn."

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"Wahloption schlägt ein wie eine Bombe!"

Thomas Krieg, Betriebsrat Mercedes Benz Gaggenau, über die Akzeptanz des Tarifergebnisses 2018, bei dem erstmals eine Wahloption "Zeit oder Geld" erfochten wurde: "Die Option hat eingeschlagen wie eine Bombe! Die Möglichkeit "6 + 2" wurde bei uns im Werk von 1.400 Leuten angenommen, 250 KollegInnen entschieden sich für die Option "Kinderbeaufsichtigung" und ca. 50 nahmen die neue Möglichkeit für die Pflege eines Familienangehörigen wahr. Ein klasse Ergebnis!"

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Jonas Weber, Landes- und Kommunalpolitiker, auf die Frage "Sind die Berufsschulen in der Region auf die Herausforderungen der Digitalisierung und entsprechenden Veränderungen in den Betrieben gut vorbereitet?": "Es sind zwar erste Schritte in die richtige Richtung gemacht worden, aber noch sind wir in den Berufsschulen auf die digitale Revolution nicht ausreichend vorbereitet. Hier gibt es noch Nachholbedarf, der baldmöglichst angegangen werden muss. Auch bei der entsprechenden Weiterbildung der Lehrer liegt noch Einiges im Argen. Zudem muss dafür gesorgt werden, dass beispielsweise die technischen Lehrer so anständig bezahlt werden, dass sie ihren Beruf dann auch gerne ausüben."

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Dennis Davidovac zum derzeit häufig diskutierten Manteltarifvertrag Auszubildende, der nach fast vier Jahrzehnten Gültigkeit einige Erneuerungen und Anpassungen nötig hat: "Einer der wichtigsten Punkte wird schon durch die Umbenennung in "Manteltarifvertrag Ausbildung" deutlich, denn auch die dual Studierenden sollen darin zum Zug kommen und eine rechtliche Grundlage erhalten.
Das und Vieles mehr diskutieren wir zur Zeit intensiv in den Betrieben und in den Vertrauensleute-Sitzungen. Wir sind zuversichtlich, dass wir in der Tarifkommission gegen Ende des Jahres genügend Rückhalt für entsprechende Änderungen in unserem MTV erhalten werden!"

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Nichts geht ohne Gewerkschaften
Gabriele Katzmarek, SPD-MdB, machte unter anderem den Vorschlag, in Zukunft Gesetze immer auch an Tarifverträge zu knüpfen: "Wenn man etwas verändern will, dann geht das nur mit Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern. In der Hoffnung, dass wir so auch eine bessere Tarifbindung als die derzeitigen 50 Prozent hinbekommen."

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Stefan Schwaab, Urgestein der Gaggenauer Kommunalpolitik, erklärte sein Engagement, damit Wohlstand und die damit verbundenen Arbeitsplätze weiterhin in der Region verbleiben: "Wir KommunalpolitikerInnen sollten viel mehr als Generalisten arbeiten. Wir müssen hier eine Atmosphäre erhalten und weiter ausbauen, in der sich Menschen aller Altersgruppen wohlfühlen. Und für die Unternehmen der Region müssen wir die nötige Infrastruktur weiter ausbauen. Wir haben bei uns riesige Potentiale - und das betrifft letztendlich auch die Europawahl. Die Region ist eingebettet in Europa und es geht uns hervorragend in diesem Europa. Es ist faszinierend, was in den letzten Jahrzehnten hier alles erreicht wurde. Wenn man sich überlegt, dass meine Generation die Erste ist, die in dieser Region ohne Krieg ein Leben verbringen darf - was kann besser sein, als ein friedliches Miteinander über alle Grenzen hinweg?"

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Und sonst?

Vier Autos, die es "in sich", pardon: unter der Haube hatten, flankierten im wahrsten Sinne des Wortes diese 1. Mai-Feier. Im Hinblick auf die Thematik "Zukunft" stellten die Automobilhersteller Porsche, VW, Audi und Daimler jeweils ihr "Schmuckstück" unter den mit E-Motor angetriebenen Fahrzeugen vor. Anfassen und näheres Betrachten war ausdrücklich erwünscht - ein Leckerbissen für alle Automobil-affinen MetallerInnen.

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Die Zukunft mit Industrie 4.0 setzte die IG Metall Gaggenau mittels einer Video-Simulation anschaulich in Szene. Zudem wurde das ansonsten eher als "trocken" bezeichnete Thema durch den "ultimativen Longdrinkautomaten" (made by IG Metall Jugend Gaggenau) allen 1.Mai-Feiernden schmackhaft gemacht.
Trotz aller Digitalisierung reichte man Würstchen, Steak, Flammkuchen, Kuchen, Kaffe, alkoholfreie Getränke und Bier weiterhin auf "analoge" Art.

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Für die musikalische Ouverture sorgten das Gaggenauer Saxofon- und Orgel-Duo Carola und Leo mit coolen Arrangements, den Ausklang rockten Danny & the Boy.

Die Kinderbetreuung erledigte "KindGenau"; an zahlreichen Infoständen von Parteien, der Deutschen Rentenversicherung und Hilfsorganisationen konnten sich Interessierte bis ins kleinste Detail informieren.

Josef Luzeckas konnte Spenden für die Murgtalsternchen (504 EUR) und ein mehrfach behindertes Kind (100 EUR) zusammentragen. Er freut sich jetzt schon über die Übergabe.

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Letzte Änderung: 07.05.2019