Trainee in Gaggenau

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23.04.2019 Stefan Peters, Trainee bei der IG Metall in Gaggenau, über seinen Einsatz in der Geschäftsstelle

IG Metall Gaggenau: Wie hat dir dein 6wöchiger Praxiseinsatz als Trainee hier im Murgtal gefallen?

Stefan Peters: Für mich war das hier mein 2. Praxiseinsatz. Vorher war ich in der Bezirksleitung in Bayern. Ich kann sagen, dass beide Einsatzorte im Vergleich zu meiner Heimat Mecklenburg - Vorpommern nicht unterschiedlicher hätten sein können. Hier in Gaggenau habe ich mich eher heimischer gefühlt als in München, denn hier ist es deutlich ruhiger und die Stadt ist nicht so hektisch wie München. Aber gewerkschaftlich gesehen herrscht hier ein ganz anderes Selbstverständnis als in meiner Heimat.

IG Metall Gaggenau: Was nimmst du denn aus diesem Einsatz mit?

Stefan Peters: Den Praxiseinsatz hier hat mein zukünftiger Geschäftsführer, der 1. Bevollmächtigte der Geschäftsstellen Rostock - Schwerin organisiert. Denn er wollte gerne, dass ich dass ich einen Eindruck davon bekomme, wofür die Geschäftsstelle Gaggenau in der IG Metall bekannt ist. Gaggenau hat den Ruf, eine der bestorganisierten und -strukturierten Geschäftsstellen in ihrer Arbeit zu sein. Das kann ich nur bestätigen, und ich werde einige Eindrücke mit in meine Heimat nehmen und nach Abschluss des Traineeprogrammes versuchen, diese in meine Geschäftsstellenarbeit einzubringen, um die Arbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen in Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Strukturen weiterzuentwickeln.

IG Metall Gaggenau: Welches betriebliche Erlebnis hat dir besonders gefallen?

Stefan Peters: Besonders eindrucksvoll waren natürlich die Betriebsversammlungen der Benz Werke in Gaggenau und Rastatt. Wenn da so viele Beschäftigte im Raum sitzen, wie meine Heimatgeschäftsstelle Mitglieder hat, ist das schon für mich etwas sehr Eindrucksvolles. Besonders die Unterschiedlichkeit der beiden Betriebsversammlungen war interessant. In Gaggenau die jeweils halbstündigen Berichte des Vorsitzenden Michael Brecht und des stellvertretenden Vorsitzenden Udo Roth, die beide gefühlt freie Reden gehalten haben, ohne ein Rednerpult - dazu noch die für die Beschäftigten und vor allem für die Beteiligten sehr emotionale Verabschiedung des Werksleiters Dr. Matthias Jurytko.
Die Betriebsversammlungen im Rastatter Werk waren da für mich schon anders. In diesem Werk kamen mehrere Betriebsräte zu Wort und hielten Berichte aus ihren jeweiligen Bereichen. Auch wenn es große Unterschiede gab, waren beiden Versammlungen für mich Klasse und hoch spannend. Was ich auf beiden Versammlungen zum ersten Mal erlebt habe, war die Totenehrung. Das war für mich ein sehr emotionaler Moment, denn so eine Form der Ehrung gibt es meines Wissens in keinem der mir bekannten Betriebe im Betreuungsbereich meiner Heimatgeschäftsstelle.

IG Metall Gaggenau: Gab es auch Erlebnisse, die vergleichbar sind mit denen in deiner Heimat?

Stefan Peters: Ja klar, gerade die Betriebsversammlungen der Klein- und mittelständischen Unternehmen haben mich sehr an meine Heimat und meine Zeit als Betriebsrat erinnert. Auch deren Berichte mit Problemen, Sorgen und Nöten konnte ich gut nachempfinden. Besonders spannend war für mich die Halbtagsschulung für Betriebsräte von Klein- und mittelständischen Unternehmen im Saal der Geschäftsstelle. Bei der Schulung zum Thema "Betriebsratsbeschlüsse - kleine Fehler, große Auswirkung" habe ich mich richtig in meine Zeit als stellvertretender Vorsitzender meines Betriebsratsgremiums zurückversetzt gefühlt.

IG Metall Gaggenau: Du hast doch sicher nicht nur Betriebe besucht?

Stefan Peters: Nein, ich hatte auch ein grundsätzliches Projekt in den 6 Wochen. Ich durfte eine Telefonaktion vorbereiten. Wir haben unsere Mitglieder vom Benz Werk in Rastatt kontaktiert, um grundsätzlich zu hören, wie es ihnen geht und um deren Stimmungslage und Informationsstand zu den Themen Transformation der Automobilindustrie und der möglichen neuen Konzernstruktur der Daimler AG abzufragen. Dieses Projekt mit der theoretischen Vorarbeit, der Durchführung und Auswertung war für mich eine komplett neue Aufgabe, die sehr viel Spaß gemacht hat.

IG Metall Gaggenau: Wie geht es jetzt bei dir weiter?

Stefan Peters: Jetzt habe ich erstmal 2 Wochen Urlaub. Im Anschluss daran gibt es Theorieseminare in Bad Orb und Sprockhövel und weitere Praxiseinsätze beim IG Metall Vorstand in Frankfurt in der Abteilung Tarifpolitik und der Geschäftsstelle Ostsachsen in Görlitz und Bautzen.
Am 1.11.2019 nehme ich dann meine Arbeit in meiner Heimatgeschäftsstelle Rostock - Schwerin auf.

Zum Abschluss möchte ich mich für diese erfahrungsreichen Wochen bei der Geschäftsstelle bedanken. Ich wurde hier vom ersten Tag an sehr nett und selbstverständlich von allen in das Team integriert und jede offene Frage wurde beantwortet. Und es gab anregende Diskussionen zu verschiedenen Themen trotz des stressigen Alltags in einer Geschäftsstelle. Zuletzt bedanke ich mich für die Gespräche und die Eindrücke, die ich von den ehrenamtlichen Strukturen wie Ortsvorstand, Delegiertenversammlung und den betrieblichen Gremien und deren Akteuren gewinnen konnte.

Letzte Änderung: 23.04.2019