Die Zukunft im Fokus

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09.02.2019 Mehr Mitglieder, Erfolg bei der Wahlmöglichkeit, anstehende Tarifrunden, Rentengrundsätze und die Zusammenarbeit im Transformationsbeirat - Themen des Pressegesprächs zum Jahresauftakt 2019

Die Zeichen stehen auf Erfolg: Mit einer stetig wachsenden Mitgliederanzahl (24.017 gesamt, 14.601 betrieblich, Stand Ende 2018) kann sich die Geschäftsstelle in Gaggenau auf eine gefestigte Basis verlassen.
Die 1. Bevollmächtigte Claudia Peter verwies im Besonderen auf eine erfreulich hohe Mitgliederstabilität im Ausbildungsbereich. Im Durchschnitt der betreuten Ausbildungsbetriebe sind 72 Prozent der neuen Azubis Mitglieder bei der IG Metall geworden. Damit sei der prozentual höchste Wert in Baden-Württemberg erreicht, unterstrich der für Jugendarbeit zuständige Sekretär Herbon.

Nach einem allgemein mit "sehr gut" bewerteten Tarifergebnis 2018, bei dem nicht nur Entgelterhöhungen erzielt, sondern auch richtungsweisende, qualitative Ergebnisse (Stichwort: Wahloption) ausgehandelt wurden, beobachtet man nun deren Umsetzung mit einer gewissen Spannung. Denn weder auf der Arbeitgeber-, noch auf der Gewerkschaftsseite hatte man bisher Erfahrungen im Umgang mit einer solchen Wahloption sammeln können.
Auch hier kann Claudia Peter gute Erfolge vermelden. "Der neue Tarifvertrag mit der Wahloption kommt sehr gut bei den Beschäftigten an," stellt die 1. Bevollmächtigte klar. "Die pragmatische und unaufgeregte Umsetzung - auch bei den Arbeitgebern - schafft Vertrauen in das neue Modell!" Was durchaus auch als Lob für die Arbeitgeber zu verstehen ist. Man gehe die Wahloption mit der angebrachten Entspannung an, so Peter weiter.
Die IG Metall Gaggenau gab bei diesem Pressegespräch erstmals auch konkrete Zahlen aus der Region weiter: 3018 Anträge für ein Wahlrecht auf acht zusätzliche freie Tage wurden in Betrieben der Region von den Beschäftigten bis 31.10.2018 gestellt; davon 2424 aufgrund von Schichtarbeit, 501 wegen Kinderbetreuung und 93 wegen Pflege von Familienangehörigen. Lediglich acht Anträge wurden abgelehnt.

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Im Fokus: die nächsten Tarifrunden

Über die anstehenden Tarifrunden - dem Kerngeschäft der IG Metall - und betriebliche Tarifauseinandersetzungen in der Region berichteten neben Claudia Peter auch die jeweils zuständigen Gewerkschaftssekretäre.
Für die Forderungen bei Textil & Bekleidung (u.a. + 5,5 Prozent Entgelterhöhung, Wahlmöglichkeiten bei der Arbeitszeitverkürzung) kämpften in Baden-Württemberg bereits über 2.000 Warnstreikende. Am Freitag vergangener Woche hatten diese Warnstreiks bei Adient in Rastatt begonnen.

Für die Tarifrunde im KFZ-Handwerk (Start der Tarifrunde im Juni) beginnen erste Diskussionen um die Forderungen im Frühjahr. In der Region stehen vor allem zwei Betriebe im Fokus: Autohaus Gerstenmeier mit sieben und Wackenhut mit zwei Standorten.

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Bis zur Gesprächsverweigerung

Gewerkschaftssekretär Bodo Seiler berichtete über die eher zähen Verhandlungen beim Automobilzulieferer HBPO. Dort wird seit Mai letzten Jahres für einen Anerkennungstarifvertrag verhandelt; nach anfänglicher Gesprächsverweigerung seitens der HBPO-Geschäftsführung, kam es zu ersten Arbeitskampfmaßnahmen. Das Angebot der Geschäftsleitung liege nun bei 30 Prozent unter dem Flächentarif, so Seiler. "Da muss noch nachgelegt werden - andernfalls wird es wohl erneut zu Warnstreiks kommen!"

"Auch die KollegInnen bei Grammer Systems in Rastatt kämpfen für die Anerkennung des Metall- und Elektro-Flächentarifvertrags, sehen sich aber mit massiven Hinhaltemaßnahmen konfrontiert," sagte Christian Herbon, der die IG Metall-Mitglieder bei dem Mittelkonsolenhersteller betreut. "Entsprechend konsequent werden IG Metall und die Grammer-Belegschaft nun reagieren müssen!"
Eine vermeintlich taktisches Verhalten der Geschäftsführung, das umso unverständlicher wirkt, da der Konzern in anderen Niederlassungen bereits an Tarifverträge angeschlossen ist und mit Betriebsratsstrukturen zusammenarbeitet.

Knallhart auf "Konfrontation" stehen die Zeichen beim Kaffeeautomatenhersteller Evoca. Dort verweigert die Geschäftsführung strikt jedes Gespräch mit der IG Metall und wird somit in naher Zukunft ebenfalls mit ersten betrieblichen Aktionen rechnen müssen.

Beim Kartonnagen-Hersteller Mayr Melnhof in Gernsbach laufen die Entgelt-Tarifverträge im Herbst 2019 aus und müssen neu verhandelt werden. "Wir haben hier eine gut funktionierende Sozialpartnerschaft mit dem Arbeitgeber," erklärte Bodo Seiler. "Altersteilzeit könnte ein Thema werden bei den anstehenden Diskussionen und Verhandlungen. Ich glaube aber nicht, dass es hier zu ernsthaften Konfrontationen kommen wird!"

Für die anstehende Tarifrunde bei Holz und Kunststoff, respektive Ruf Betten in Rastatt, wird es auch noch vor der Sommerpause zu einer Forderungsdiskussion kommen. Die Tarifverträge laufen in dieser Branche Ende September 2019 aus.

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40 Jahre jung. Oder alt?

Es mag etwas paradox klingen, aber ausgerechnet der Manteltarifvertrag für die jungen Generationen, also Auszubildenden, ist mittlerweile 40 Jahre alt! Obwohl die Azubis in der Metall und Elektro-Industrie bis heute immer eine hohe Zufriedenheit in Bezug auf ihre Ausbildung bekundeten, signalisieren sie nun doch mit zahlreichen Diskussionen in den Betrieben, dass an einigen Stellen ihres Manteltarifvertrages (von 1978) Änderungs- und Anpassungsbedarf besteht. Schwerpunkte, an denen es zu "feilen" gilt: Tarifbindung für dual Studierende, moderne Lehr- und Lernmittel, schnelle Anpassung von Ausbildungsinhalten, Fahrtkosten, Wohnzuschüsse und eine Qualitätsverbesserung der Berufsschulen.

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Betriebsrenten wiederbeleben

"Die Diskussion um eine Rente, von der Menschen nach einem erfüllten Arbeitsleben gut weiterleben können, wird immer im gewerkschaftlichen Fokus bleiben!" machte Claudia Peter deutlich. Die Rentengrundsätze der IG Metall bleiben somit weiterhin bestehen: Stabile und existenzsichere Altersrente, Ausstiegsoptionen vor dem gesetzlichen Rentenalter ... um nur die wichtigsten Anforderungen zu nennen. "Gerade deshalb sind die Vorschläge der IG Metall zum Neuaufbau einer solidarischen Alterssicherung so wichtig," sagte Peter und verwies auf eine notwendige Stärkung, Stabilisierung und Anhebung der Rente, die solidarisch finanziert sein müsse und reale Altersgrenzen aufweisen soll.
Eine wichtig Rolle könne dabei in Zukunft auch eine Art Wiederbelebung der Betriebsrenten spielen, vermutet die 1. Bevollmächtigte. "Die IG Metall diskutiert gerade darüber, ob und wie wir einen solchen Weg gehen sollen und können.
Dabei könnte das "Betriebsrentenstärkungsgesetz", das vom Bundestag verabschiedet wurde, eine Schlüsselfunktion übernehmen.

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Ost wie West

Eine vermeintliche Randnotiz in der Tarifpolitik M + E ist die Angleichung der Arbeitszeit Ost an westliches Niveau. Die IG Metall fordert den Einstieg in die 35-Stunden-Woche für die ostdeutsche M + E-Industrie, doch ausgerechnet die Arbeitgeber bei Südwestmetall stellen sich quer. Zwar wurde eine Gesprächsverpflichtung der Arbeitgeber im Tarifabschluss 2018 festgehalten und auch erste Gespräche aufgenommen, doch scheint der Umstand, dass einige Unternehmen auch Werke in Ostdeutschland unterhalten, ein Knackpunkt bei den zukünftigen Verhandlungen zu sein.

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Zukunft Auto

"Alle ziehen am gleichen Strang - es ist klar erkennbar, dass alle etwas bewegen wollen!" Claudia Peter äußerte sich voll des Lobes über die Zusammenarbeit aller Teilnehmer des "Transformationsbeirates Automobil", der kürzlich bereits sein drittes Treffen abhielt. Unter dem (für die Region durchaus zutreffenden) Slogan "Zukunft Auto" sind sich Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Kommunen und der Agentur für Arbeit darin einig, dass auch mit den Herausforderungen einer neuen Art der Mobilität gemeinsam die wirtschaftliche Stabilität der Region beeinflusst werden kann. "Nur wenn wir zukunftssichere Arbeitsplätze erhalten und gute, themenspezifische Ausbildung gewährleisten, können wir auch gemeinsame Veränderungen gestalten," sagte Claudia Peter in die Runde der Medienvertreter. "Wir sind hier in der Region von den anstehenden Veränderungen am Antriebsstrang ganz besonders betroffen. König Metall und Mercedes Benz Gaggenau sind gute Beispiele: Mindestens die Hälfte der Produkte aus diesen Unternehmen stehen im Zusammenhang mit dem Verbrennungsmotor. Wenn der nun weniger häufig gefragt bzw. produziert wird, hat das sofort Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und die Betriebe. Hier muss rechtzeitig, vorausschauend und effizient reagiert werden und genau das machen diese beide Betriebe!"

Wieder im grünen Bereich

Heiko Maßfeller, 2. Bevollmächtigter bei der IG Metall Gaggenau, informierte über die Situation bei Dekra Rastatt. Im Herbst vergangenen Jahres war dort kaum noch etwas "im grünen Bereich" (Dekra-Slogan) für die Arbeitnehmer. "Mehr als 1.090 "Dekraner" wurden im September wegen Umbauarbeiten im PKW Werk Rastatt in die Arbeitslosigkeit entlassen - und 1.022 sind nun wieder zurückgekehrt," berichtete Maßfeller. Es habe damals unter allen Beteiligten eine Menge Unruhe gegeben, so Maßfeller weiter. "Wegen dieser moralisch höchst fragwürdigen Aktion hat es auf allen Ebenen intensive und kontroverse Diskussionen gegeben. Doch mittlerweile begegne man sich mit "offenem Visier. Uns wurde versichert, dass man in Zukunft alles daran setzen werde, solche Situationen zu vermeiden. Wir werden jedenfalls weiterhin engen Kontakt mit unseren Mitgliedern bei Dekra halten, um über alle Vorgänge in dem Zeitarbeitsunternehmen auf dem neuesten Stand zu bleiben!"

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Claudia Peter, Heiko Maßfeller

Claudia Peter, Heiko Maßfeller

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Letzte Änderung: 09.02.2019