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IG Metall Gaggenau

IG Metall Geschäftsstelle Gaggenau



Nach dem Blitz - aufrecht gehen!

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15.06.2018 Ein "Blitz" schlägt bei DEKRA ein, ein Buch wird mit gelebter Nähe zur Arbeitswelt vorgestellt und Bezirksleiter Roman Zitzelsberger erklärt, warum es für die IG Metall ohne GEP nicht geht

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Eigentlich sollte ja "nur" ein Buch vorgestellt werden: "aufrecht gehen" - erste Zwischenbilanz und tiefer Einblick in die Arbeit des "Gemeinsamen Erschließungsprojektes" (GEP) der IG Metall Baden-Württemberg. Das Buch lag druckfrisch auf den Tischen der Badener Halle in Rastatt. Darin berichten betriebliche Aktive, OrganizerInnen und GewerkschaftsekretärInnen aus Geschäftsstellen und Bezirksleitung von den Erfahrungen, die sie mit dem heutigen gewerkschaftlichen Organizing gemacht haben.
Doch dann lieferte das GEP-Team Baden-Württemberg und die IG Metall Gaggenau noch ein spannendes Stück gelebter gewerkschaftlicher Solidarität als "Bonus". Mit einer "Blitz"-Aktion und einem kurzfristig angesetzten Protest vor den Toren des Mercedes Benz Werks in Rastatt gegen die Missstände beim Leiharbeitsvermittler DEKRA zeigten sie kurz zuvor auf beeindruckende Weise, dass die moderne Form gewerkschaftlichen Organizings im Sinne des GEP funktioniert und effizient wirkt.

"Blitz" ist eine gut vorbereitete Aktion, bei der in kurzer Zeit durch mehrere Organizer bzw. ErschließungssekretärInnen konzentriert 1 zu 1- Gespräche mit möglichst vielen Beschäftigten des betroffenen Betriebes geführt werden.

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Gelbe und rote Karte

Ein GEP-Video-Team dokumentierte die Erfahrungen vor den MB-Rastatt-Werkstoren, zeigte Statements von betroffenen DEKRA-Beschäftigten und beleuchtete die Solidarität von KollegInnen und Beschäftigten bei Mercedes Benz Rastatt. Das Video wurde noch kurz vor Beginn der gestrigen Veranstaltung auf den Stufen der Badener Halle fertig geschnitten und eröffnete als beeindruckender "Opener" den Abend.

Claudia Peter, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, verglich in ihrer Ansprache nach der Videovorführung die "Blitz"- und Protest-Aktion gegen die Missstände bei DEKRA (kurz nach dem Ende des ersten WM-Spiels) mit den Fußballregeln. "Wir haben DEKRA die Gelbe Karte gezeigt und es ging unfair weiter, man zeigte keine Einsicht bei der Geschäftsführung. Also haben wir nun die Rote Karte gezückt!" Peter bedankte sich bei allen Beteiligten für deren meist ununterbrochenen Einsatz während der letzten 48 Stunden: "Ihr habt echte, unermüdliche Solidarität gezeigt! Das ist wirklich engagierte gewerkschaftliche Arbeit!"

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Auch Vetrauenskörperleiter Thorsten Kruse bestätigte im Gespräch mit Jonas Berhe (stellvertretender Projektleiter GEP), dass neue Organizing-Aktionen wie der "Blitz" wichtige Instrumente geworden sind und bleiben werden. Im Hinblick auf das Motto des Abends sagte Kruse: "Es gilt jetzt, die gerade gewonnene Aufmerksamkeit in mehr Vertrauen umzuwandeln. Wir werden schon in Kürze für die 300 Vertrauensleute in den Betrieben Seminare anbieten. Unterm Strich brauchen wir mehr Verlässlichkeit und mehr Kräfte, mehr Vertrauensleute, die aktiv sind. Neue Vertrauensleute müssen gewonnen werden, andere, die sich nicht engagieren wollen, sollten ihren Platz räumen. Daran wollen und müssen wir arbeiten, nur so können wir weiterhin Druck erzeugen. Denn eines ist klar: Die teils skandalösen Zustände bei DEKRA, diese Not und dieses Elend, das wir in den letzten Wochen und Monaten erlebt haben, müssen ein Ende haben!"

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"200 Euro für Austritt"

Einen buchstäblich tiefen Einblick in das Buch "aufrecht gehen. Wie Beschäftigte durch Organizing zu ihrem Recht kommen" gab Joern Boewe, einer der am Werk beteiligten Journalisten. Boewe las zwei kurze Passagen aus Reportagen im Buch vor und unterstrich damit, wie wichtig es ihm und dem beteiligten GEP-Team ist, die Beschäftigten direkt zu Wort kommen zu lassen. Es seien die sicherlich berührendsten Teile des Buches, sagte Boewe, wenn diejenigen aus ihrem Arbeitsleben erzählen, die sich sonst nur sehr selten in den Medien äußern dürfen und können. Seine Beispiele mit Stimmen aus den Betrieben Doll/Freiburg und Magna/Neckarsulm wirkten auf die Anwesenden mitunter bedrückend.

So war beispielsweise von Repressionen in der Firma Doll die Rede, bei denen die Beschäftigten in Einzelgesprächen von der Geschäftsführung unter Druck gesetzt wurden. Man bot ihnen sogar 200 Euro an, wenn sie aus der IG Metall austreten.
Eine relativ hohe Summe für Beschäftigte, die jedes Jahr aufs Neue um ein paar Cent Stundenlohnerhöhung betteln müssen. "Doch ausnahmslos alle KollegInnen haben abgelehnt," bestätigte die zuständige Gewerkschaftssekretärin Yvonne Sotorios, die bei Doll arbeitete und gestern ebenfalls von ihren ganz persönlichen Eindrücken berichtete. "Es hat mich wirklich stolz gemacht, wie gut GEP bei den KollegInnen ankam, wie sehr es die Solidarität untereinander festigte und letztendlich die Geschäftsführung bei Doll auf einen anderen Kurs zwang!"
Auch Benjamin Schmitt konnte als zuständiger Gewerkschaftssekretär der im Buch beschriebenen "Magna"-Belegschaft von Erfolgen berichten. Mittlerweile stehe man kurz vor der Unterschrift zu einem betrieblichen Tarifvertrag und werde dann u.a. die 35-Stunden-Woche genießen, Entgeltanpassungen werden bis 2024 schrittweise vorgenommen, damit man spätestens 2025 bei 100 Prozent sei.

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Vieles erreicht, Grenzen erkannt

Der Höhepunkt des Abends waren die Gedanken und Ausführungen von IG Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger zu "aufrecht gehen". Als politischer Verantwortlicher ließ er es sich nicht nehmen, in seiner"alten Heimat" Buch und GEP aus seiner Sicht zu beleuchten und stellte sich während eines Podium-Interviews den Fragen des Journalisten und Co-Autors Johannes Schulten.
Roman Zitzelsberger machte gleich zu Beginn deutlich, dass die IG Metall vor gewaltigen Herausforderungen stehe - es müsse vieles überdacht und neu orientiert werden!

Roman Zitzelsberger: "Für die IG Metall stellte sich im Laufe der vergangenen Jahre immer öfter die Frage, ob wir in der sich ständig verändernden Welt als Gewerkschaft mit dem, was wir bisher gemacht haben, auch in Zukunft Erfolg haben werden. Wie können wir Belegschaften mehr aktivieren, was können wir den neu gewonnenen Mitgliedern bieten? Genau dort setzt GEP an. Wenn ich jetzt zurück schaue auf die ersten drei Jahre des auf neun Jahre angesetzten Gemeinsamen Erschließungs Projektes, dann kann ich eigentlich sagen, dass wir nahezu alles erreicht haben, was wir erreichen wollten. Wir haben aber auch unsere Grenzen kennengelernt...

Wir alle wissen, dass die IG Metall keine Entgeltmaschine ist, sondern sich vor allem in sozialen, also qualitativen Bereichen des Arbeitslebens engagiert. Und genau dort muss auch die Zukunft unserer gewerkschaftlichen Tätigkeiten positioniert werden.

Die Beschäftigten interessieren sich immer mehr für die Zeit, die Ihnen außerhalb der Arbeit zum Leben bleibt.
Wir haben in den letzten Jahren mehr als 25.000 Beschäftigten in Baden-Württemberg erstmals eine Tarifbindung für ihren Arbeitsplatz verschafft - und daran hat GEP einen sehr hohen Anteil!
Was ich bei GEP persönlich schätze, ist die völlig neue Herangehensweise an bestimmte Arbeitsbereiche. Es wäre noch vor ein paar Jahren völlig unmöglich gewesen, dass sich 30 KollegInnen aus unterschiedlichen Gebieten für drei Tage zusammensetzen und gezielt in einem Betrieb gewerkschaftlich tätig werden.
Das ist auch eine Herausforderung für die jeweiligen 1. Bevollmächtigten. Denn plötzlich agieren auch andere in "ihrem Gebiet", es müssen Teams gebildet werden, die es so in gewerkschaftlichen Arbeitsabläufen bis dato noch nicht gab. Und diese Teams sind jetzt ebenso dafür zuständig, dass sich Mitglieder im Betrieb engagieren, einen neuen Sinn in ihrer Mitgliedschaft sehen und etwaig auch andere von einer Mitgliedschaft überzeugen."

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Zitzelsberger sieht GEP allerdings nicht als Werkzeug, mit dem nur viele neue Mitglieder zum Beitritt in die Gewerkschaft ermutigt und entsprechend mehr Beiträge bezahlt werden. Der Bezirksleiter machte deutlich, dass er u.a. mit GEP in Zukunft die Position der IG Metall festigen will. "Wir haben es allein in Baden-Württemberg geschafft, mehr als 430.000 Metaller zu organisieren. Das ist eine feste Größe, um die im Wirtschaftsleben keiner mehr herum kommt! Und diese Größe muss ausgebaut werden! Der Clou ist, dass in Zukunft die Beschäftigten selbst die "Dinge in die Hand" nehmen. Und dafür müssen wir sie anleiten." Aus der Belegschaft heraus müsse in Zukunft die Bewegung entstehen. So baue sich Selbstbewusstsein unter den KollegInnen auf, das notwendig ist und bleibt, um auch in Zukunft sinnvolle Gewerkschaftsarbeit zu ermöglichen.
Anhand der letzten Tarifrunde stellte Zitzelsberger klar, dass die Vision von GEP und basisorientiertem Organizing schon gut in gewerkschaftlichen Kreisen "greife". Denn das letzte Tarifergebnis sei zwar in Stuttgart ausgehandelt worden, entstanden sei es aber "draußen" in den Betrieben und auf der Straße. Demonstrationen und Protestkundgebungen, Frühschluss und 24-Stunden-Streik unter Teilnahme von vielen Hunderttausend Kolleginnen haben all das erst möglich gemacht." Das sei eine Stärke, die weiter ausgebaut werden müsse, so Zitzelsberger weiter. Auch in Betrieben, wo es noch keine Betriebsräte gibt, wo noch keine demokratischen Arbeitsbedingungen herrschen.

Zusammengefasst gehe es in Zukunft um vier Themenfelder:

  • Durch den Aufbau handlungsfähiger betrieblicher Strukturen die Tarifbindung in unseren Branchen stärken
  • Konflikte betriebsorientiert führen und gewinnen
  • Die Demokratie in den Betrieben ausbauen
  • Die Durchsetzungs- und Konfliktfähigkeit unserer Organisation langfristig sichern

Zum Abschluss der Vorträge und zum Auftakt des eher geselligen Teils des Abends stellte GEP-Projektleiter Andreas Flach sein GEP-Team vor und beschwor die "wichtigen, zukunftsweisenden Arbeiten an der Basis", die von GEP bewältigt werden.

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Letzte Änderung: 15.06.2018


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Telefon: +49 (7225) 9687-0 | Telefax: +49 (7225) 9687-30 | | Web: www.gaggenau.igm.de

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