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IG Metall Gaggenau

IG Metall Geschäftsstelle Gaggenau



Hauptsache Menschen

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06.06.2018 Käthe Herhalt-Schneider und die Ehrenämter: Wie die Arbeit im Demenz-Café, Lese-Patenschaften für SchülerInnen und Seniorenstammtische für MetallerInnen eine (Un)Ruheständlerin erfüllen.

Als sich Käthe Herhalt-Schneider vor nunmehr sechs Jahren aus dem Arbeitsleben verabschiedete, war allen klar: "Das wird nix mit dem Ruhestand!" Niemand konnte sich vorstellen, dass eine Frau mit einem derart intensiv gelebten Berufsleben, körperlich fit und vor Tatkraft nur so sprühend, von einem Tag auf den anderen dem Müßiggang, vielleicht sogar dem Nichtstun frönen würde.
Im Gegenteil, wer die heute 64jährige, frühere Verwaltungsangestellte (seit 1971 Gewerkschaft Holz und Kunststoff, seit 1999 IG Metall Gaggenau) jemals in ihrem beruflichen Umfeld kennenlernte, der hätte wetten können, dass sie sich weiterhin ihrer großen Leidenschaft widmen würde: dem Umgang mit Menschen.
Liest sich das ein wenig theatralisch? Mag sein, aber Käthe zählt nun mal zu der Sorte Mensch, bei der ein Wort wie "Leidenschaft" durchaus berechtigt ist. Denn wie sonst sollte man ihre ausgeprägte Passion und Begeisterung für das soziale Miteinander, für ein im wahrsten Sinne der Worte "menschliches Interesse" beschreiben?

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Lieber Demenz-Café als Gartenbank

"Ich ahnte, dass ich irgendwas Ehrenamtliches und Soziales im Ruhestand machen würde", erinnert sich Käthe heute. "Nur was genau - davon hatte ich noch keine Ahnung."
Da sie weiterhin als Alters-Delegierte enge Verbindung zur IG Metall hielt - und übrigens auch im Laufe der letzten Jahre öfters in der Geschäftsstelle aushalf, wenn "Not an der Frau" war - nahm sie die Gelegenheit zur Teilnahme an einem kleinen Seminar zum Thema "Ehrenamt in der Region" wahr. So lernte sie die Verantwortlichen des "Demenz-Cafés" in ihrem Heimatort Iffezheim kennen, die Käthe zu einem ihrer Treffen mit meist älteren Demenz-Kranken einluden.

Wie nicht anders zu erwarten, gefiel es Käthe sofort in der Gruppe. "Der Umgang mit den dementen Patienten, deren Freude daran, dass ihnen ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt wird und vor allem das letztendlich doch breite Spektrum an Möglichkeiten, diesen Menschen ein paar erfreuliche Stunden zu bereiten... - das fand ich wunderbar!"

Da Iffezheim bereits genug Ehrenamtliche beschäftigte, wurde Käthe fortan im Demenz-Café der Sozialstation St. Elisabeth in Rastatt aktiv. Bereits im sechsten Jahr betreut sie nun gemeinsam mit zwei anderen Ehrenamtlichen und einer angestellten Mitarbeiterin der Sozialstation zehn Demenzkranke an zwei Nachmittagen im Monat. "Wir reden viel mit den Patienten, lassen sie erzählen, locken sie aus der Reserve, indem wir ihnen Themen meist aus der Vergangenheit vorgeben oder Erinnerungsreize im Sinne von 'Welches Tier hat einen langen Hals?' oder 'Wer weiß noch, wie es bei der Kommunion vor 75 Jahren war' setzen."

Walzertanzen mit 96

Mittlerweile sei ihr diese Arbeit so "ans Herz gewachsen", dass sie ein fester und wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist. "Mir tut das auch persönlich gut!", sagt sie mit überzeugtem Unterton. "Zu sehen, dass man etwas erreicht hat - nämlich Menschen eine Freude bereiten konnte - hat etwas zutiefst Befriedigendes für mich", sagt Käthe. Auch wenn ihr die Tage besonders weh tun, an denen plötzliche Lücken in der Gruppe wieder mit anderen Menschen besetzt werden. "Ich fühle so ein inniges Verhältnis zu jeder/m Einzelnen in der Gruppe, dass es mir wirklich nahe geht, wenn sie sterben. Dann gehe ich meist zur Beerdigung und verabschiede mich so endgültig", sagt Käthe mit einem bedauernden Achselzucken.
Aber die vielen positiven Erlebnisse in der Gruppe würden für solche Momente mehr als entschädigen. "Wenn ich nur an die 96jährige Patientin denke, die immer mit mir Walzer tanzen wollte und dabei eine unbändige Freude hatte! Das sind Erinnerungen, die mich für immer begleiten werden."

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Aktiv an zwei Enden der Altersskala

Vielleicht ist es ja nur der Zufall, der in solchen Fällen gerne bemüht wird oder ist es doch so etwas wie eine schicksalhafte Entscheidung gewesen? Jedenfalls engagiert sich Käthe neben den meist sehr betagten Demenzkranken auch am anderen Ende der Altersskala - als Lesepatin für GrundschülerInnen.

Als Büchernärrin mit einem Faible fürs Vorlesen dachte Käthe schon vor vielen Jahren an eine ehrenamtliche Tätigkeit für leseschwache Kinder. Und zur Leiterin der Iffezheimer Grundschule hatte sie bei ihrer Anfrage gleich "einen guten Draht" - sie war es, die Käthe den ehrenamtlichen Posten einer Lesepatin vorschlug.
So kam es, dass Käthe nicht nur alten Demenzkranken mit Wörtern und Sätzen das Gedächtnis auffrischt, sondern auch Erst- bis Viertklässlern, die noch nicht ganz so fit in Sachen "Lesen" sind, verbal auf die Sprünge hilft.

"Dabei ergeben sich schöne, emotional erfrischende Erlebnisse, die ich nicht mehr missen möchte", sagt Käthe schmunzelnd. "Die Lehrerin weist mir einzelne Schüler und Schülerinnen zu, mit denen ich statt Unterricht in der Klasse in den Leseecken der Schule speziell auf sie zugeschnittene Einzelstunden abhalte", erklärt sie. Schon allein wegen dieser kurzen "Klassen-Auszeit" seien sie und ihre Lese-Patenschaften bei den Schülern sehr beliebt. "Die SchülerInnen sind - eigentlich ähnlich wie bei den Demenzpatienten - Feuer und Flamme für mein kleines Angebot. Fortschritte lassen da meist nicht lange auf sich warten!" Und die besondere emotionale Nähe zu den Kindern ist bei einer Menschenfreundin wie Käthe gewissermaßen vorprogrammiert.

Terminlich etwas eng

Apropos Ruhestand - Unruhestand wäre eigentlich bei Käthe Herhalt-Schneider der passendere Begriff. Denn mit dem "bisschen" Demenz- und SchülerInnen-Engagement gibt sich die frühere Verwaltungsangestellte nicht zufrieden. Käthe setzt sich zudem in der Seniorenarbeit der IG Metall Gaggenau für die Belange der Metaller-RentnerInnen ein. Sie vertritt dieselben als Delegierte in den Delegiertenversammlungen, kümmert sich gemeinsam mit anderen um das Rentnerprogramm und ist grundsätzlich an den Senioren-Stammtischen zu finden. So ganz nebenher kümmert sie sich um ihren Garten und fährt mit ihrem Mann die eine oder andere Runde auf dem E-Bike.

"Manchmal wird es dann terminlich etwas eng", gibt Käthe gerne zu. Aber im Gegensatz zu berufstätigen Zeiten habe sie es heute ausschließlich mit Terminen zu tun, die sie sich selbst ausgesucht und gesetzt hat. "Wenn mir nichts aufgedrückt wird, kommt auch gar nicht erst Druck oder Stress auf", sagt Käthe gelassen. "Eigentlich kann es mir gar nicht besser gehen in meinem Unruhestand - nur eine Bedingung muss immer erfüllt sein bei meinen Beschäftigungen: Hauptsache Menschen!"

Letzte Änderung: 06.06.2018


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